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PWA Maui 2016: Ho'okipa im XXL-Modus

Gigantischer Swell auf Maui. Nur North-Shore-Locals sind jetzt noch im Rennen.

Heute gingen die Bedingungen beim Aloha Classic, dem letzten Wave-Worldcup der Saison auf Hawaii, durch die Decke. Morgens pumpte der Swell doppelt-masthohe Wellen an den Ho'okipa Beach Park. Leider waren die Bedingungen zuerst unsauber, sodass noch keine Heats gestartet werden konnten. Nur Camille Juban ließ sich nicht abschrecken und schnappte sich ein paar bombige Set-Wellen. Sein trockenes Statement zu der halsbrecherischen Aktion: "Ich wünschte, ich hätte mein Jaws-Board dabei." Die PWA-Judges nutzen die Zeit, um weiter nach oben zu ziehen, um überhaupt noch etwas hinter dem Swell sehen zu können. Um 12:30h kam dann bei (etwas) kleinerem Swell, dafür aber fahrbaren Bedingungen endlich das "Go". Die besten Waverider der Welt mussten zu 100 Prozent fokussiert sein, um den Pazifik zu zähmen. Trotz der Größe des Swells landeten heute nicht so viele Fahrer auf den berüchtigten "Rocks", wie befürchtet. Wave-Selection war das A und O, denn noch lange nicht alle Wellen liefen butterweich bis zum Strand durch. Stattdessen fanden einige Fahrer statt eines cleanen Faces eine holprige Landstraße mit riesigen Schlaglöchern vor und wurden wie beim Rodeo spektakulär abgeworfen.

Gleich der erste Heat - Nr. 11 der Single Elimination - war ein echtes Highlight. Der Weltrekordhalter für die längste gewindsurfte Welle der Welt Camille Juban traf auf die Weltmeister Marcilio Browne und Jason Polakow. Der schon warmgefahrene Juban stahl den beiden Weltmeistern mit der vielleicht besten Performance des Tages die Show. Mit kritischen, extremen Late-Hits direkt in die Lippe und massiven Aerials gewann er den Heat verdient und strich auch gleich mit 18,5 die höchste Punktzahl des Tages ein. Browne sicherte sich den zweiten Platz mit zwei durchschnittlichen Wellen, Polakow fand nach einer 7,88-Punkte-Welle einfach keine zweite mehr. Polakow schied somit völlig unerwartet aus. Gerade in solchen XXL-Bedingungen hätte jeder mit Mr. Bigwave gerechnet.

Der amtierende und inzwischen zweifache Aloha Classic Champion Morgan Noireaux trat in Heat 12 das erste mal in Erscheinung. Ohne große Anstrengung kam er durch seinen Heat und auch Moritz Mauch qualifizierte sich für die dritte Runde der Single. Einen Heat weiter setzte Graham Ezzy genau dort an, wo er gestern aufgehört hatte. Der Maui-Local, der nicht beim letzten (Flauten-)Worldcup in Frankreich war, um sich extra mehr auf den Aloha Classic einzufahren, mischte in seinem Heat kraftvolle Turns mit amtlichen Aerials und verdiente sich so einen Heat-Score von 15,88 Punkten. Hinter ihm wurde es zwischen Titel-Kandidat Alex Mussolini und dem Hamburger Klaas Voget extrem eng. Um ein Haar hätte Klaas seinen Trainigsbuddy Victor Fernandez einen Schritt näher an den Weltmeisterpokal gebracht - aber Mussolini kam knapp mit weniger als einem Punkt Vorsprung weiter.

PWA Maui 2016: Ho'okipa im XXL-Modus

Die Fahrer in Heat 14 lasen sich wie ein Hollywood-Blockbuster: Kauli Seadi, für viele immer noch der stylischste Waverider, der jemals auf dieser Welt wandelte, gegen Windsurf-Godfather Robby Naish, den mehrfachen Overall-Weltmeister Kevin Pritchard und (etwas unglamouröser weil "nur" Formula-Weltmeister) Ross Williams. Im Laufe des Heats präsentierte sich KP als echter Tipp für den Eventsieg. Der 40-Jährige sammelte mit einem Traum-Wellenritt 9,25 Punkte: Seinen ersten Turn meißelte er mit der kompletten Rail ins Face, um dann mit einem Aerial meterweit durch die Luft zu fliegen und die Welle mit einem weiteren technisch perfekten Turn abzuschließen - ein verdienter Heat-Sieg! Hinter ihm battelten sich Seadi und Williams, mehrfach schwang das Pendel hin und her. Mit einer guten letzten Welle, die Seadi noch über die Heat-Zeit hinaus abreiten durfte, kam der Brasilianer letztendlich doch mit 0,14 Punkten Vorsprung weiter.

Genau wie Seadi kam Enfant-Terrible Ricardo Campello einen Heat weiter erst mit einer Welle in den letzten Sekunden des Heats in die nächste Runde. Er hatte viel Zeit verloren, als sich sein Material einfach mal bei der Landung eines Aerials trennte. Glücklicherweise half ihm Landsmann Diony Guadagnino aus und brachte ihm ein neues Set in den Channel. Zusammen mit seinem exzellenten Start in den Heat mit einer 8,38-Punkte-Welle gewann er den Heat vor Robby Naishs Protegé Kai Lenny, der (als eingefleischter Big Wave Surfer nicht überraschend) heute deutlich besser fuhr als gestern. Im letzten Heat der Runde trat der Weltranglisten-Erste Victor Fernandez das erste mal auf den Plan - und wurde direkt eliminiert. John Skye, der Segelmacher von RRD will seinen Teamfahrer Alex Mussolini anscheinend definitiv mit der Trophäe in der Hand ins Flugzeug steigen sehen. Mit einem unglaublich spätem Aerial verdiente sich "Skyeboy" 9 Punkte. Maui-Hotshot Bernd Rödiger wurde zweiter.

Weiter ging es mit Runde 3 der Single Elimination in der nur noch 16 von ursprünglich 48 Fahrern übrig sind. In Heat 17 war kein Gras gegen Levi Siver gewachsen. Bisher ist er einfach durch die Single durchmarschiert und hat jeden seiner drei Heats dominant gewonnen. Hinter ihm wurde es zwischen Leon Jamaer aus Kiel und seinem Teamkollegen Robby Swift richtig spannend. Leon zeigte sich gestern schon in unglaublicher Form und sammelte heute erneut mit den zwei wahrscheinlich höchsten Aerials des Tages auf einer einzigen Welle neun Punkte. Leider hatte Jamaer nur einen 5,75 Backup-Score, sodass Wahl-Hawaiianer Swifty mit zwei schlechteren Wellen aber 0,8 Punkten Vorsprung weiterkam. Schade, aber trotzdem ein massiver Erfolg für den 26-Jährigen. Einen Heat weiter erwachte Morgan Noireaux endlich zum Leben. Der 22-Jährige schien in den heutigen Bedingungen nicht wirklich bei der Sache zu sein, aber seine Ho'okipa-Instinkte zeigten sich nun doch: Mit einem vertikalen Aerial und einem slashy Turn buchte er sein Ticket ins Halbfinale. Währenddessen kam Marcilio Browne als Zweiter extrem knapp gegen Camille Juban weiter.


PWA Maui 2016: Ho'okipa im XXL-Modus

Die Ezzy-Teamrider Kevin Pritchard und Graham Ezzy waren im vorletzten Heat des Tages eine Klasse für sich. Beide feuerte einen massiven Aerial nach dem anderen raus und gingen dafür auch maximales Risiko ein, während Alex Mussolini und Kauli Seadi offensichtlich Probleme mit den Bedingungen hatten. Im letzten Heat des Tages ging der Wind langsam zurück und der Local-Nachwuchs Kai Lenny und Bernd Rödiger lieferten eine Ho'okipa-Masterclass ab und zerstörten die Hoffnungen von Ricardo Campello und John Skye. Lenny sammelte mit 9,88 von 10 möglichen die höchste Punktzahl des Tages. Er arbeite eine richtige Bomben-Welle von ganz draußen bis gefühlt vor die Füße des Judges ab und kombinierte superflüssige Turns mit einem Monster-Aerial. Sowohl er als auch Rödiger empfahlen sich so als Tipp für das Finale.

Der Wipeout des Tages geht ohne Zweifel an Boujmaa Gouilloul. Auf einer fetten, angsteinflößenden Welle fuhr er eine viel zu hohe Linie und wurde mit voller Wucht von der Lippe von seinem Material gefegt und flog wie ein Spielzeugmännchen durch die Luft.

Die Vorhersage für morgen sieht wieder grundsolide aus, was für den Deutschen Zuschauer eine weitere actionreiche Nacht bedeutet. Der Livestream geht gegen 23h online. Für alle, die Samstags arbeiten müssen werden wir morgen an dieser Stelle wieder berichten.

Stay tuned!

Fotos: PWA/John Carter


Alle Bilder (20):
Zwei Legenden haben Spaß: Robby Naish und Jason Polakow.
Mächtiger Sturz: Ein klassischer Campello!
Talent für richtigen Swell: Camille Juban fuhr heute extrem gut.
Ho'okipa XXL: Würdest du zum Turn ansetzen?
Victor Fernandez: Der Weltmeister 2016?
Wie aus dem Traumland.
Kai Lenny: Je höher die Wellen werden, desto besser fährt er!
Aerial im Kauli Style.
Kai Lenny: Slash!
Tiefer geht nicht: Klaas Voget beim Bottom Turn.
Guter Turn schlechte Welle: Die Waveselection war heute extrem wichtig.
Hat bisher jeden seiner Heats gewonnen: Levi Siver.
Der massivste Aerial des Tages: Leon Jamaer.
Ist das schon Kunst? JC hat ein Auge für richtig gute Fotos.
Im Halbfinale: Marcilio Browne.
Der Godfather: Robby Naish.
Wahl-Hawaiianer: Robby Swift auf einer richtigen Bombe.
Robby Swift und Levi Siver: Wer hat Priority?
Die Sets waren einfach nur massiv. Wer kann erkennen, dass dort Klaas Voget zwischen den Wellen fährt?
Boujmaa Guilloul: Abgang des Tages!






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