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PWA Sylt 2016: Wind, Wave-Action und WM-Thriller

Das war Balsam für die etwas angeschlagene World Cup-Seele: Nach einigen Flautenjahren ging auf Sylt diesmal wieder so richtig die Post ab!

Die 34. Auflage des Windsurf World Cups auf Sylt hatte mehr Highlights, als man hier aufzählen könnte. Da wäre zum Beispiel das erste PWA Foil-Rennen jemals zu nennen. Oder ein Freestyle-Finale, das aus der Feder von Alfred Hitchcock stammen könnte – mehr Spannung ging kaum. Man könnte auch ausführlich von einem Matteo Iachino berichten, dem die nordfriesische Luft anscheinend Superkräfte verleiht. Natürlich sollte man an dieser Stelle auch das actionreiche Waveriding erwähnen, das erstmals seit vier Jahren auf der Nordseeinsel ausgetragen werden konnte. Kurzum: Die vergangenen zehn Tage hätten nicht besser laufen können.

Aber der Reihe nach: Schon am Freitag – dem sogenannten 0. Eventtag –, der eigentlich der großen Eröffnungsfeier vorgesehen war, starteten die Waverider mit einem Knall! Bei den typischen Sylter Hardcore-Bedingungen konnten Single Eliminationen sowohl bei den Herren als auch bei den Damen zu Ende gefahren werden. Dabei avancierte gerade ein vernünftiger Wave-Score zur Herkulesaufgabe. Bei platt-auflandigem Wind und einem Shorebreak, der vier Masten fraß, war es enorm schwierig, vernünftige Frontside-Cutbacks zu zeigen. Dennoch sorgten alle beteiligten für eine Wahnsinnsshow. Da wäre unter anderem ein Victor Fernandez zu nennen, der den fröstelnden Zuschauern einige Doubles aufs Parkett knallte. Oder ein Moritz Mauch, der sorgenfrei mit dem Shorebreak spielte und sogar Aerials raushaute.
Von sich reden machte noch ein weiterer Spanier: Alex Mussolini. Der Teneriffa-Local hämmerte nicht nur einen Wave360 in die braune Suppe, nein, er gewann gleich den gesamten Wettbewerb. Damit verwies er Thomas Traversa, Jaeger Stone und Victor Fernandez auf die Plätze zwei, drei und vier. „Musso“ ist somit Titelaspirant Nummer eins derzeit.
Auch bei den Damen sorgte das spanische Lager für die höchsten Scores. Nachdem sich die Moreno-Zwillinge am Abend gegenüberstanden, war es Iballa, die diesmal die Siegesfaust in den bewölkten Himmel streckte.

PWA Sylt 2016: Wind, Wave-Action und WM-Thriller

Einen Tag später rechneten alle mit Katerstimmung und einem „Kein-Wind-Regenerationstag“. Doch als die ersten Frühaufsteher über die Promenade trotteten und aufs Wasser schauten, rannten sie schnell zurück und pellten sich in ihre noch feuchten Neos. Der Grund: Ablandiger Wind und extrem sauberer Swell – „French Style“.
Gerade Ricardo Campello, Brawzinho und Leon Jamaer bewiesen ihr Können auf den Wellenreitern und erwischten sogar kleine Barrels. Doch selbst die Segel wurden später noch aufgeriggt. So fand am Nachmittag unter großem Zuschauerandrang das erste Foil-Rennen bei einem World Cup jemals statt. Zwar ging dies etwas holpriger als gewünscht vonstatten, aber dennoch merkte man bei allen Fahrern und Zuschauern ein enormes Interesse an der neuen Disziplin.

Wer nach den ersten zwei Hammer-Tagen einen Abwärtstrend erwartete, der behielt nur bei den Temperaturen (um die zehn Grad) recht. Bei der Windsurf-Action war das Gegenteil der Fall. So folgten Freestyle Elimination bei Sideshore-Bedingungen und perfekten Rampen, etliche Slalomrennen bei gutem Wind sowie ein Finale um die Weltmeisterentscheidung, das für Tränen am Brandenburger Strand sorgte.
Nach einer gewonnen Hinrunde wähnte sich Youngster Amado Vrieswijk bereits ganz oben auf dem Siegertreppchen. Doch dann, in allerletzter Sekunde, setzten die Freestyler am gestrigen Sonntag das Finale der Double fort, wo sich Gollito Estredo und der junge Bonaire-Boy gegenüberstanden. In der ersten Auflage zeigte der Venezolaner gleich seine Topform und gewann. Im Superfinale ging es somit um alles. Erst ließ der Wind nach und eine Warteparty folgte. Kälte und tausende Zuschauer bauten sichtlich Anspannung in den zwei Finalisten auf. Weitere zwölf Minuten auf dem Wasser, ehe klar war, wer der neue Weltmeister ist. Als Gollito wenige Sekunden vor Heat-Ende den Strand erreichte, rannten Kameramänner und Zuschauer auf den Lockenkopf zu, was nur eines bedeuten konnte: den siebten WM-Titel.


PWA Sylt 2016: Wind, Wave-Action und WM-Thriller

Spannend ging es auch im Slalom zu. Bei viereinhalb Eliminationen kristallisierten sich einige „Sylt-Experten“ heraus. So zeigten die Deutschen Vincent Langer, Gunnar Asmussen und Basti Kördel fast durch die Bank gute Leistungen. Doch auch der Österreicher Marco Lang surfte extrem erfolgreich auf der Nordsee. Dennoch stahl Matteo Iachino aus Italien nahezu allen die Show und tütete drei von vier Siegen ein. Nur einmal konnte ihm sein Team-Kollege Gonzalo Costa Hoevel gefährlich werden. Sollte Iachino beim letzten Stopp in Frankreich so fulminant weitermachen, würde er sich zum ersten Mal mit dem Weltmeistertitel belohnen.

Alles in allem war der 34. World Cup auf Sylt eine extrem spannende und actionreiche Woche, auf die wir uns schon jetzt in 2017 freuen. Habt auch ihr die besten Momente mit euren Kameras festgehalten? Dann ladet sie in unsere Galerie und räumt fette Preise ab. Viel Erfolg!

Fotos: John Carter / PWA


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