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Formula-Weltmeister 2017 - Vincent Langer im Interview - Teil 2


Hättest du nicht auch mal Lust die komplette PWA Serie mitzufahren? Letztes Jahr warst du bei drei von insgesamt fünf Events dabei und bist zwei mal direkt in die Top-10 gekommen. Du hast in der internationalen Szene auf jeden Fall richtig Eindruck hinterlassen und einigen Worldcuppern ordentlich Angst eingejagt…
Hm, ich finde den Weltcup in der Form, wie er aktuell besteht, also mit den Events in Asien, eher unattraktiv. Ich mache Windsurfen, weil es mir Spaß macht. Und ich fahre auch die Events, weil sie mir Spaß machen. Letztes Jahr war ich in Korea und ich kann dir sagen, dass es definitiv keinen Spaß macht, um die halbe Welt zu fliegen, um dann auf Wind zu warten. Das nervt mich mega. Zusätzlich muss man natürlich sagen, dass ich auch viele Sponsoren von außerhalb der Windsurf-Szene habe. Für die ist es natürlich extrem wichtig, dass ich in Deutschland präsent bin. Wenn man sich den Medien-Output anguckt, ist es für mich sinnvoller einen Deutschen Windsurf Cup zu gewinnen, als Vierter beim PWA Worldcup in Hvide Sande zu werden, wie letztes Jahr. Der Media-Output ist beim DWC für mich deutlich höher - und das ist natürlich auch wichtig für meine Sponsoren. Nichtsdestotrotz verstecke ich mich natürlich nicht vor einem Worldcup. Das heißt wenn ich die Möglichkeit habe, dann bin ich da natürlich auch am Start.

Aber so ein PWA Weltmeister-Titel würde sich ja auch noch ganz gut machen oder? Meinst du, da könntest du noch was reißen?
Wenn man da ganz realistisch ist, bin ich im Slalom bei wenig und mittlerem Wind absolut konkurrenzfähig. Das weiß ich dadurch, dass ich viel Zeit mit den ganzen Jungs verbringe. Mit Weltmeister Matteo Iachino, Pierre Mortefon, der bei mir im Team ist, genau wie Jordy Vonk, der in Japan gerade Zweiter geworden ist. Mit denen kann ich wirklich gut mithalten. Bei viel Wind muss man aber schon sagen, dass die Jungs extrem schnell sind. Auf Fuerte müsste ich mich also wirklich durchbeißen. In Deutschland haben wir aber auch die professionellste, nationale Tour der Welt. Oftmals sind die Tourstopps, die wir haben sogar besser organisiert als einige Worldcups. Es macht für viele deutsche Fahrer also tatsächlich keinen Sinn im Worldcup zu starten. Auch meine Sponsoren aus der Windsurfindustrie, Fanatic und North, finden es sehr gut, dass ich hier in Deutschland Präsenz zeige.


Formula-Weltmeister 2017 - Vincent Langer im Interview
Formula-Weltmeister 2017 - Vincent Langer im Interview

Wie kann man sich deine Trainings-Routine vorstellen?
Ich bin wahrscheinlich einer der Windsurfer auf der Welt, die am meisten windsurfen. Ich habe einfach von mir aus schon richtig Bock auf Surfen. Das ist ein riesiger Vorteil! Viele Leute in meiner Position, die Worldcup fahren und auch wirklich gut sind, sehen Windsurfen schon als Arbeit an. Das ist bei mir definitiv nicht so. Ob ich jetzt mit einem 4.2er Wavesegel raus gehe, oder mit einem 12er Formula-Segel, ist mir komplett egal. Deswegen bin ich auch mehr oder weniger jeden Tag auf dem Wasser. Ich habe eine Trainingsgruppe, mit ungefähr 20 Leuten. Je nach Bedingungen treffe ich mich spontan mit einigen davon. Zusätzlich ist es so, dass ausländische Profis zu mir kommen. Die wohnen dann bei mir und wir trainieren zusammen. Im Winter bin ich auf Teneriffa beim organisierten Training. Das ist richtige Folter, aber dafür wird man auch richtig fit. Zusätzlich kümmere ich mich persönlich um alle meine Sponsoren.

Dazu kommen ja auch noch deine Kids Camps, die du selber organisierst!
Genau. Ich habe dieses Jahr auf Fehmarn schon mein fünftes Kids Camp abgehalten. Die Nachfrage ist riesig. Ich bin halt der einzige in ganz Deutschland, der Kindern etwas anbietet, die schon richtig gut windsurfen können. Das Ziel ist natürlich ein Feuer zu entfachen, die Kinder dazu zu bringen, irgendwann Regatten zu fahren und natürlich auch ein Netzwerk zwischen den Kids aufzubauen. Das ist glaube ich das große Problem, was wir in Deutschland haben. Die Kinder surfen in der Regel immer alleine und da versuche ich gegenzusteuern. Dieses Jahr gibt es zwei Kids Camps, das erste war schon während des Surffestivals auf Fehmarn. Das zweite ist Anfang August in Grönwohld. Da habe ich jetzt schon über 40 Kinder - dabei sortiere ich schon richtig krass aus. Die Kinder müssen sich bewerben, mir schreiben, was sie schon können und was sie lernen wollen. Das hat nichts mehr mit Anfängerschulung zu tun. Mir macht das unglaublich viel Spaß - ich wäre ja auch eigentlich Lehrer für Geschichte und Sport geworden. Die Kids Camps liegen mir wirklich sehr am Herzen.


Formula-Weltmeister 2017 - Vincent Langer im Interview

Es gibt Gerüchte, dass du selber eine eigene Marke gründen willst…
Ja das stimmt! Ich habe mich Ende letzen Jahres mit einem Freund selbstständig gemacht und wir kommen Anfang September mit einer eigenen Neopren-Kollektion raus. Die Marke wird „Vinc“ - vom italienischen „Sieger“ - heißen. Ich habe mich schon immer extrem geärgert, dass alle Neoprenhersteller Wellenreit-Anzüge bauen. Windsurfer bekommen nur dicke Arme und so funktioniert das einfach nicht mehr. Da habe ich mit meinem Partner Anzüge entwickelt, die speziell nur für die Anforderungen von Windsurfern geeignet sind.

Wie geht deine Saison nach diesem grandiosen Sieg bei der Formula-Weltmeisterschaft weiter? Hast du noch Ziele?
Klar ist, dass der fünfte Deutsche Meistertitel das Ziel ist. Außerdem bin ich noch beim Worldcup auf Sylt, Hvide Sande und Neu-Kaledonien.

Neu-Kaledonien soll richtig geil zum Windsurfen sein!
Das glaube ich auch (lacht)! Da fährt man auch nur mit einem Board und zwei Segeln runter. 7.7 und 7.0. Das finde ich schon richtig krass. Außerdem wünsche ich mir noch von der Saison, dass ich weiterhin so viel Bock auf Windsurfen habe, wie im Moment habe. Das ist mein größtes Ziel.

Interview: Lars Niggemeyer
Fotos: Osterloh, Burblies, Jacobsen



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