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Go for Gold: Toni Wilhelm - Deutschlands Windsurf-Olympionike im Interview

Toni Wilhelm will bei den Spielen in Rio voll angreifen. Der Olympia-Vierte von Weymouth ist wohl einer der professionellsten Windsurfer der Welt. Zum Auftakt unserer "Road to Rio"-Reihe steht er im WINDSURFERS-Interview Rede und Antwort.

Bei der Weltmeisterschaft in Israel kamst du jüngst auf einen 16. Platz und hast damit die Auflagen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) erfüllt. Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur gelungenen Olympiaqualifikation! Bist du damit zufrieden?
Wir hatten wirklich extrem schwierige Bedingungen in Israel. Es war wirklich 90% der Zeit ablandig und wir sind dort direkt unterhalb der großen Hotels gesurft. Der Wind hat brutal gedreht und es war böig. Das hat das ganze Geschehen dort ziemlich komplex gestaltet. Zumindest am Anfang bin ich damit noch sehr gut klar gekommen, auch in den Trainings bin ich unheimlich stark gesegelt. So am dritten Wettkampftag hat es dann aber angefangen zu bröckeln. Die Bedingungen war zwar immer recht ähnlich, aber irgendwie habe ich taktisch so ein bisschen mein Mojo verloren. Ich habe dann zwei Tage lang jeweils die ersten zwei Läufe in den Sand gesetzt. Das war zum kotzen - um das mal auf gut Deutsch auszudrücken! So habe ich mir das natürlich nicht vorgestellt und gewünscht, aber jetzt muss ich damit um gehen und meine Schlüsse daraus ziehen. In den nächsten Wochen und Monaten muss ich wieder an Konstanz gewinnen. In ich glaube sieben von den elf Läufen bin ich wirklich gut gefahren und habe mit Top-3- und Top-5-Platzierungen bewiesen, dass ich absolut zur Weltspitze gehöre. Aber die vier Läufe, die haben mir die ganze Regatta in den Sand gesetzt. Ich komme gerade direkt aus einer langen Verletzungspause und mir hat die Regattaroutine gefehlt. Es war mein erster Event seit August letzten Jahres und ich bin jemand, der Wettkämpfe braucht, um an Selbstvertrauen zu gewinnen. Ich denke aber, dass das jetzt auch wieder kommen wird.

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Go for Gold: Toni Wilhelm - Deutschlands Windsurf-Olympionike im Interview

Entscheidet bei RS:X-Regatten auch das Revier darüber, wer gut abschneidet und wer nicht? Sieht man die Weltmeister aus Israel nachher auch als Medaillenträger?
Die letzten Regatten zeigen, dass alles passieren kann. Der Weltmeister von Ende Oktober letzten Jahres ist jetzt 12. geworden. Es vermischt sich unheimlich, aber die Bedingungen spielen, glaube ich, weniger eine Rolle. Wir alle, die da vorne mitfahren, sind Allround-mäßig sehr stark. Es gibt vielleicht ein paar Ausnahmen, wie den Schweizer und noch ein paar andere, die eigentlich ausschließlich bei leichten Bedingungen gut sind. Da entscheidet eher die Tages- oder Wochenform. Zusätzlich muss man in den Wettkampf gut reinkommen und auch einmal einen schlechten Lauf mental gut ausblenden können, um sich wieder neu zu fokussieren. Die Bedingungen in Rio werden aber definitiv unglaublich komplex. Wir sind ja innerhalb der Bucht von Rio, eingeschlossen zwischen den Bergen dort. Wir surfen direkt unterhalb des Zuckerhuts, und der beeinflusst den Wind unheimlich stark. Der Wind dort ist wieder sehr drehend und unkonstant. Hinzu kommt unglaublich starke Strömung, da dort große Wassermassen durch eine kleine schmale Stelle rein- und rausgedrückt werden. Das Gesamtszenario wird dadurch einfach extrem komplex. Einen Tag der Regatta werden wir auch draußen auf dem offenen Meer haben, dort mit meist großem Swell. Man muss also sehr breit aufgestellt sein, und ich glaube, dass Rio einen würdigen Olympia-Sieger haben wird.


Go for Gold: Toni Wilhelm - Deutschlands Windsurf-Olympionike im Interview

Wie sieht das mit dem Revier in Rio aus? Die Guanabara-Bucht soll stark verschmutzt sein. Jahrzehntelange wurden ungeklärte Abwässer eingeleitet, die Bucht ist voller Müll, am Ufer findet sich giftiger Schaum. Einem deutschen Olympia-Kandidat musste nach dem Testevent eine mit antibiotikaresistenten Bakterien verseuchte Wunde ausgeschabt werden. Einige Segler wollen Olympia deswegen sogar boykottieren. Du als Windsurfer – auch wenn du wahrscheinlich nicht mehr so oft reinfällst – bist besonders gefährdet. Du hast ja gar keinen Schutz. Wie siehst du das?
Ich war jetzt glaube ich schon zehn oder zwölf Wochen in Rio und noch ist mir nichts passiert, toi, toi, toi! Und ja, das Wasser ist unheimlich dreckig und ich würde da definitiv nicht freiwillig schwimmen gehen - aber was bleibt uns anderes übrig als damit umzugehen? Ich werde die Spiele definitiv nicht boykottieren, weil das Wasser dreckig ist! Das Wasser zu klären wäre eine riesige Chance für das Land und für die Stadt gewesen. Da etwas in Gang zu setzen hätte letztendlich über Generationen etwas gutes bewirkt, aber leider ist das nicht passiert. Das macht mich traurig. Aber an einen Boykott der Spiele habe ich definitiv nicht gedacht, nein. Ich hoffe, dass sie es bis zu den Spielen noch irgendwie schaffen, zumindest den herumschwimmenden Müll einzusammeln, damit am Ende keiner seine Medaille wegen einer Plastiktüte an der Finne verliert. Wenn das passiert, wäre das wirklich eine Tragödie.



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