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Holzplanken statt Carbon?

Surfen wir in Zukunft auf Holzplanken? Der deutsche Profi-Surfer Flo Jung hat für Starboard das Elektroauto unter den Windsurfboards entwickelt. Im WINDSURFERS-Interview redet er Tacheles über den tatsächlichen Nutzen von Öko-Boards und deren Performance auf dem Wasser.

Flo Jung ist der mit Abstand engagierteste Profi-Windsurfer was wohltätige Projekte und den Umweltschutz angeht. Mit seinem gemeinnützigen Verein hilft er den Townships von Kapstadt, Schulen in Afrika und Flüchtlingen in Hamburg. Er war vor den schmelzenden Gletschern in Alaska surfen, um auf die globale Erwärmung aufmerksam zu machen und ist entlang der Müllteppiche über den Atlantik gesegelt. Bei Starboard ist er nun Chef bei der Entwicklung eines Boards, das die Windsurf-Industrie verändern soll. Ergebnis ist das Ecoboard, dessen Hülle aus Holz besteht. Umweltschutz ist schön, aber kann das bei Carbon überhaupt mithalten? Und wie viel effektiver Umweltschutz steckt tatsächlich in dem Öko-Board?

Fakten-Check: Balsa-Holz
· Der Balsabaum kommt aus Mittel- und Südamerika
· Es ist der schnellstwachsende Baum der Welt
· Balsaholz ist bekannt dafür extrem leichtes Nutzholz zu sein und wird vielfältig verwendet
· Sandwich-Material aus Balsa-Holz hat nur ein Zehntel des ökologischen Fußabdrucks von konventionellem PVC
· Das Material hat bei derselben Dichte bessere Eigenschaften als PVC
· Es ist 3x fester im Schubmodul, 3x reißfester, 20x zugfester, 2,75x druckfester
· Darüber hinaus soll es bruchfester sein und nicht ermüden

Holzplanken statt Carbon?
Holzplanken statt Carbon?

Erklär’ uns doch bitte, was genau das Ecoboard-Projekt ist.
Das Ecoboard-Projekt ist eine Initiative von Starboard mit dem Ziel nachhaltige Boards zu produzieren, die zum Schutz der Umwelt und besonders der Ozeane beitragen. Ein spannendes Thema, bei dem auch viele neue Technologien entwickelt werden, die den Windsurfsport revolutionieren werden, oder zumindest etwas zum Positiven ändern.

Du bist der Pate des Ecoboard-Projekts und auch das Aushängeschild dafür. Wie ist es dazu gekommen?
Angefangen hat das Ganze bei Svein Rasmussen (CEO von Starboard, Anm. d. Red.). Er hat eines der weltgrößten Windsurf-Unternehmen und wollte etwas für die Umwelt machen. Er hat sich gesagt, dass wir den Ozean tagtäglich für unseren Spaß nutzen und dass er dann auch die Macht hat einen Beitrag zu leisten. Dann hat er sich überlegt, wie man das am besten umsetzen kann. Vor allem, wie man die CO2-Bilanzen neutralisiert. Er hat sich dann viele Partner mit ins Boot geholt und alle Hebel in Bewegung gesetzt, um so ein Projekt auf die Beine zu stellen. Ich wollte eigentlich für eine Expedition so ein Board von ihm bekommen. Ich mache mich ja schon lange in Umweltprojekten stark. Ich habe ihn gefragt, ob ich so ein Board von ihm kaufen könnte, weil ich zu dem Zeitpunkt ja noch von Roberto Ricci gesponsert wurde. Darüber sind wir ins Gespräch gekommen. Er meinte dann, dass es schön wäre, wenn ich die Entwicklung solcher Boards für Starboard übernehmen würde. Das hat gut gepasst und ich bin froh diesen Schritt gegangen zu sein, um wirklich etwas bewegen zu können. Es geht um mehr als nur Marketing. Wenn man so ein Angebot bekommt und dabei etwas Gutes tun kann, dann sollte man diese Möglichkeit beim Schopf fassen.


Holzplanken statt Carbon?

Was ist das Besondere an der Ecoboard-Bauweise?
Wir sind noch relativ am Anfang, es gibt noch sehr viele Sachen, die wir testen. Finnen aus recyceltem Plastik, die aus Meeres-Müll produziert werden. Recyceltes Styropor, welches von anderen Umweltorganisationen eingesammelt und dann zur Herstellung von Surfboards verwendet wird. Viele Ansätze konnten wir schon jetzt bei dem Ecoboard einbauen. Statt eines PVC-Cores benutzen wir ein Sandwich-Material aus dem Holz vom Balsabaum. Der kommt aus Ecuador und ist der am schnellsten wachsende Baum der Welt. Wir haben herausgefunden, dass das Balsa-Holz extrem stabil und widerstandsfähig ist. Dem PVC ist es materialtechnisch, was die mechanischen Eigenschaften angeht, deutlich voraus. Die Inserts vom Ecoboard, also zum Beispiel das Finnensystem, sind aus recyceltem Meeres-Müll. Dann benutzen wir ein Bio-Resin. Das besteht aktuell leider noch nicht aus 100% Bio-Harz, sondern nur zu 52%, aber da ist in Zukunft noch Luft nach oben. In ein bis zwei Jahren sind wir wahrscheinlich soweit, dass wir ein Board produzieren, das zu 100% aus recyceltem Material besteht.

Andere Wassersport-Industrien sind da dem Windsurfen noch deutlich voraus…
Im SUP-Bereich sind wir schon ziemlich nah am Ziel. Da arbeiten wir viel mit Kork und kaum mit Farbe. Die Sticker sind zum Beispiel aus Reis-Papier hergestellt. Das geht im Windsurf-Bereich leider noch nicht. Die beim SUP verwendeten Materialen flexen für's Windsurfen zu viel. Da kommen wir in den nächsten zwei Jahren aber noch hin.

Was die Rohstoffe angeht, klingt das auf jeden Fall alles sehr durchdacht, aber wie sieht es denn mit dem ganzen Transport aus, den man für so eine kleinere, exklusive Baureihe machen muss. Um so ein Board zu bauen, müssen die Komponenten ja auch erst einmal alle zusammenkommen. Das Holz alleine muss ja schon von Ecuador aus um die ganze Welt schippern.
Das wurde alles mit berechnet. Auch für ein normales Board muss man Materialien aus der ganzen Welt zusammensuchen. Da werden verschiedene Carbon-Matten aus allen Ecken der Welt geordert. Wir haben extra eine Angestellte, die tagtäglich damit beschäftigt ist die CO2-Bilanz auszurechnen. Deswegen wird schon heute bei Starboard für jedes verkaufte Board ein Mangroven-Baum gepflanzt, welcher die Bilanz über die nächsten 20 Jahre neutralisiert. Ein einzelner Mangroven-Baum absorbiert in der Zeit eine Tonne CO2. Der CO2-Ausstoß bei der Produktion eines normalen Boards beträgt ungefähr 100kg. Bei den neuen Ecoboards liegt der Ausstoß aktuell noch bei 86kg. Das ist immer noch ziemlich hoch, aber das liegt natürlich auch daran, dass wir gucken müssen, wo wir die Materialien herbekommen. Aktuell kommen die noch aus der ganzen Welt, aber das wird sich auch noch ändern. Zusammen mit dem Mangroven-Baum kann man dann sagen, dass man CO2-neutral ist, also keine Belastung für den Planeten darstellt. Das Ecoboard ist zwar noch am Anfang, aber es ist der erste Schritt in die richtige Richtung.











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