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Holzplanken statt Carbon? - Teil 2


Was gebrauchtes oder kaputtes Windsurf-Material angeht, gibt es auch ein großes Problem was die Entsorgung angeht. Aktuell ist es so, dass alte Segel mit Riss größtenteils in der Restmülltonne enden, im Optimalfall als handgemachte Umhängetasche. Alte Windsurfboards hingegen werden solange weitergegeben und repariert, bis sie im besten Fall als Deko-Tisch dienen. Recycling von altem Windsurfmaterial scheint in allen anderen Fällen superschwierig zu sein.
Wenn ein Surfboard bricht, dann ist es im Normalfall Sondermüll. Man kann damit aktuell noch relativ wenig machen. Wir arbeiten mit vielen Ingenieuren zusammen, teilweise auch mit der NASA, um dieses Problem zu lösen. In der Zukunft wird es Materialien geben, die man durch eine spezielle Technik wieder auseinander bekommen kann, um sie wiederzuverwenden. Im Inflatable-Bereich hat man zum Beispiel verschiedene Kleber gefunden, die sich bei einem speziellen Erhitzungsprozess, bei dem das Board sehr schnell gedreht wird, wieder lösen. Die Materialien können danach neu verbaut werden. Im Windsurfen selber gibt es noch gar keine Recycling-Techniken. Aber da wird es in der Zukunft mehr geben. Mal ein Vorschlag: Wie wäre es wenn man bis dahin Material recycelt, indem man es an Menschen schickt, die es sich nicht leisten können? Ich kenne genug Kids in Marokko, die gerne Windsurfen lernen würden. Man muss eigentlich eine Initiative starten, bei der man den Leuten anbietet ihr Material loszuwerden, das dann nach Marokko schafft und dort freuen sich dann hundert Kinder über "neues" Windsurfmaterial. Das würde meiner Meinung nach am besten sein.

Stimmt! Durch so ein Projekt ist zum Beispiel Freestyle-Worldcupper Hugo de Souza zum Windsurfen gekommen. Aber nun mal Tacheles. Wie fährt sich der Ecoboard-Prototyp auf dem Wasser? Merkt man den Unterschied zum Carbon stark? Was ist mit der Steifigkeit, wie fällt das Gewicht aus?
Viele kennen das vielleicht aus dem Wellenreiten, wenn man ein Polyester-Board mit einem Epoxy-Board vergleicht. Die Eco-Boards sind etwas flexibler, damit laufruhiger und lassen sich besser kontrollieren. Sie schmiegen sich dadurch auch besser an die Welle an. Dafür hat man nach einer harten Landung eher das Gefühl, dass es etwas länger dauert, bis man die Energie aus dem Shape zurückbekommt. Es gibt da zwei Seiten der Medaille. Für mich hat der Prototyp Sinn gemacht und ich habe auch viele Freunde in Kapstadt das Board ausprobieren lassen. Alle waren positiv überrascht. Es fährt sich nicht wie eine Luftmatratze. Was das Gewicht angeht, sind wir nur 100g schwerer als ein herkömmliches Board.


Holzplanken statt Carbon?
Holzplanken statt Carbon?

Ok, das ist krass! Damit habe ich nicht gerechnet.
Das Gewicht ist wirklich ein kaum merklicher Unterschied. Ich habe auch Boards getestet, die extra noch ein bisschen schwerer gebaut wurden. Wir wollten schauen, ob die richtig was aushalten. Dann haben wir aber auch ein paar leichtere ausprobiert und die haben ebenfalls alles ausgehalten. Alle Prototypen, die in das Projekt bisher eingeflossen sind, habe ich mindestens 50 Stunden auf dem Wasser erprobt. Wenn ich es in der Zeit nicht schaffe da etwas kaputt zu machen, dann sind die Boards meiner Meinung nach bulletproof.

Ist die Oberseite der Boards, die wir auf den Fotos sehen, auch aus Holz? Starboard hatte ja früher schon die Wood-Bauweisen mit schöner Holz-Optik. Bei denen war das aber leider so, dass man nach einem kapitalen Schleudersturz den Bruch an der Nase nicht mehr gut reparieren konnte.
Bei diesem Balsa-Holz ist das eine andere Technologie. Das Holz ist in Vierecken zusammengeschnitten und zum Sandwich gepresst. Das kann kaum ziehen. Bei den Boards die ich getestet habe, gab es keine Anzeichen von den Rissen, die du meinst. Die Jungs im Shaping-Room von Starboard wissen natürlich, dass es das Problem gab und die haben sich deswegen etwas einfallen lassen. Den Fehler machen sie nicht zweimal.


Holzplanken statt Carbon?

Weiß man schon was für Boards in der Ecoboard-Bauweise gebaut werden sollen, wann die ersten erscheinen werden und was das Ganze kosten soll?
Der Preis soll mehr oder weniger derselbe sein. Die Boards werden ab August im Shop zu finden sein. Die Boards, die ich getestet habe, wurden abgesegnet und fließen in die Produktion ein. Soweit ich weiß, wird es irgendwann alle Boards in dieser Bauweise geben. Zunächst wird aber erstmal ein neues Waveboard in der Range erscheinen, das Starboard A.I.R., damit wir weiter in diese Richtung gehen können. Die Abkürzung steht für Avoid, Intercept und Redesign.

Das Ecoboard-Projekt könnte die Industrie also wirklich grundlegend verändern…
Das Projekt ist der richtige Schritt, wenn man sieht, was heute in der Welt passiert. Es hat den Anschein, als würden wir in einem Auto ohne Bremsen sitzen, von dem wir jetzt schon wissen, dass es früher oder später gegen eine Betonwand fahren wird. Da muss man vom Gas gehen! Das haben inzwischen viele Industrien begriffen. Früher gab es die vielen Optionen, die wir heute in unserem alltäglichem Leben haben, einfach noch nicht. Jeder Einzelne hat heute die Wahl sich zwischen verschiedenen Alternativen zu entscheiden. Wir wollen eine solche Alternative im Windsurfen anbieten. Wenn es letztendlich dasselbe kostet, könnte ich auch nicht verstehen, wenn nicht die gesamte Windsurf-Industrie unsere Idee aufgreift.




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