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Jason Polakow in den Mega-Wellen von Nazaré

Vor zwei Tagen sicherte sich Polakow einen Platz in den Geschichtsbüchern: Zum ersten Mal überhaupt bezwang ein Windsurfer die Monsterwelle Nazaré. WINDSURFERS präsentiert euch die ersten Statements nach der Portugal-Premiere.

Big Wave Surfen ist schon länger kein Sport mehr, den nur eine Handvoll durchgeknallte Adrenalin-Junkies ausüben. Gerade in Jaws (Maui) oder Teahupo’o (Tahiti) ist der Line-up stets pickepacke voll. Ob mit der Gun, dem Kite, einem Foilboard, mit einem SUP oder eben mit dem Gabelbaum in der Hand: Die größten Wellen des Pazifiks wurden schon auf jede erdenkliche Art und Weise gerippt.

Europas Aushängeschild Nazaré überließ man hingegen bisher gerne ein paar speziellen Tow-in-Surfern. Beispielsweise Deutschlands Sebastian Steudtner machte hier von sich reden. Oder Brasiliens Maya Gabeira kam in die Schlagzeilen, als sie nach einem Waschgang bewusstlos aus dem braunen und kalten Wasser gefischt wurde.

Ja, Nazaré war nie wie die anderen Riesenwellen. Die Unberechenbarkeit, wo sich wann, und wie hoch, das Wasser erheben wird, ließ den Spot einzigartig aber auch furchteinflößend werden. Dass die Wellen auch noch dicht vor einer felsigen Küste brechen, ist das bekannte i-Tüpfelchen für viele Big Wave Surfer, um dankend abzulehnen. Wer wiederum Jason Polakow kennt, weiß, dass diese Welle wie geschaffen für den Mitte Vierzigjährigen Australier ist! Fidschi, Tahiti und Hawaii konnte der Motocross-Fan schon auf seiner Liste verbuchen, nun wollte er sich auch im derzeit kalten und regnerischen Nazaré versuchen. Ein ganzes Jahr lang bereitete sich “Mr Big Wave“ auf seine Pioniers-Session vor. Da er der erste Windsurfer überhaupt war, der sich an den Atlantik-Goliat heranwagte, musste im Voraus studiert werden, welche Wetter- und Windbedingungen die besten für einen Premierenversuch sein würden. Vor zwei Tagen, am 02. Februar 2016, war es dann endlich soweit: JP ritt als erster Windsurfer der Welt Portugals Riesenwelle.

Jason Polakow in den Mega-Wellen von Nazaré
Jason Polakow in den Mega-Wellen von Nazaré

Einmal angefixt bekam der zweifache Weltmeister gar nicht mehr genug und blieb satte fünf (!) Stunden auf dem Wasser. Völlig aus der Puste sagte er danach: „Es ist ein unglaublich anspruchsvoller und einzigartiger Spot. Keine Welle bricht dort, wo die vorherige brach und die Höhe ist nur sehr schwer einzuschätzen.“ Beflügelt vom Adrenalin (oder seinem Lieblings-Energiedrink?) sprach JP sogar vom Highlight seiner Karriere!

Mit dem Auftritt in Portugal hat Jason Polakow mal wieder die Grenzen des Möglichen verschoben. Sich zur Ruhe setzten wird der 44-Jährige allerdings noch lange nicht und hat bereits seinen Zweitversuch angekündigt. Genauer gesagt ist sein nächstes Ziel, den 60-Fuß-Rekord von Jaws (Maui) in Europa zu übertrumpfen.

Mit Red Bull sprach JP über…

Die Idee des Projekts: „Das erste Mal hörte ich von Nazaré, als Garrett McNamara dort den Weltrekord brach. Die Nachricht wurde überall verbreitet und ich sah damals, dass die Welle auch Potential zum Windsurfen hat. Ab dann wuchs der Gedanke in meinem Kopf. Es dauerte allerdings einige Jahre bis es losging und nun bin ich wiederum sehr froh, dass es endlich geklappt hat.“


Jason Polakow in den Mega-Wellen von Nazaré

Die Schwierigkeit des Spots: „Ich habe so ziemlich alle Big Waves der Welt gesurft und muss sagen, dass Nazaré die mit Abstand schwierigste und anspruchsvollste war. Die Wellen kommen aus allen möglichen Richtungen und bewegen sich unglaublich viel. Es gibt also nicht den einen 'Startpunkt', wo man sie am besten erwischt. Manchmal, wenn man endlich eine hat, verschwindet diese plötzlich wieder - es ist echt verdammt schwierig!“

Die Einzigartigkeit Nazarés: „Unter Wasser liegt ein sehr tiefer Graben, der wie ein V geformt ist. Die Wellen laufen somit von weit draußen durch diesen Channel auf die Küste zu und werden durch das besondere Riff schlagartig seitlich komprimiert und nach oben gedrückt. Deshalb vervierfacht sich plötzlich die Größe.“

Der erste Eindruck: „Ich dachte mir anfangs nur 'wow, das wird super schwierig'. Gerade der leichte Wind und diese unsortierten Wellen machten das Ganze zu einer unglaublichen Challenge.“

Seine Vorbereitungen: „Auf Maui habe ich mich mit Schwimmen, Cardio und Atemtraining vorbereitet. Außerdem hatten wir dort viele große Big Wave Tage, an denen ich draußen war und Wipeouts 'trainieren' konnte. Nach einem Wipeout ruhig zu bleiben und den Puls niedrig zu halten ist wohl die beste Vorbereitung für Nazaré.“

Die Länge seiner Session: „Ich war bestimmt fünf oder sechs Stunden auf dem Wasser. Das ist bei diesen kalten Temperaturen wirklich lange! Nazaré ist allerdings kein Spot, wo man 20 Wellen bekommt. Vielmehr kannst du dich glücklich schätzen, wenn du eine oder zwei von den richtig guten erwischst.“

Warum noch niemand zuvor dort windsurfte: „Ich glaube, das hat mehrere Gründe. Einer ist natürlich die große Gefahr, die der Spot mit sich bringt. Außerdem spielt auch die Logistik eine Rolle. Als drittes, denke ich, können auch nur fünf oder sechs Jungs diese Welle surfen. Das macht es sehr überschaubar.“

Weshalb er es als einziger Windsurfer probierte: „Ich wollte es einfach wirklich unbedingt machen! Die größten Wellen der Welt zu surfen, ist nunmal meine Leidenschaft. Beim Windsurfen geht es nicht um die Menge des Geldes, sondern es ist die Leidenschaft und der Antrieb, was uns solche Sachen machen lässt.“

Fotos: Red Bull Content Pool, Helio Antonio, Daniel Deak Bardos











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