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PWA Marokko 2018: Lina Erpenstein im Interview

Das erste mal findet ein Worldcup in Marokko statt. Für Deutschland ist Lina Erpenstein dabei. Wir haben sie interviewt.

Es wurde lange um genug Sponsorgelder gerungen und vor drei Wochen stand dann plötzlich fest: Zumindest für die Wave-Worldcupperinnen geht es nach Marokko. Vom 1. April bis 07. April 2018 gesellt sich Essasouria zu den Worldcup-Spots der Welt. Die männlichen Wave-Worldcupper werden nicht dabei sein. Dafür war schlicht und ergreifend nicht genug Geld da. Schon seit Anfang der Woche findet vor Ort der Pro-Am-Contest der amerikanischen IWT statt. Zum ersten mal werden auf dem afrikanischen Kontinent gleich zwei World Tour Stops ausgetragen. Zuletzt hatte es dies bei dem Aloha Classic 2016 gegeben. Der Worldcup in Moulay Bouzerktoun ist besonders auf die Bemühungen von Local Boujmaa Gouilloul zurückzuführen. Der Sieger der IWT 2016 engagiert sich seit längerem stark, das Windsurfen in Marokko zu etablieren und gleichzeitig weltweit Werbung für die Spots des nordafrikanischen Landes zu machen.

Moulay bietet weltklasse Waveriding-Bedingungen bei Wind von rechts. Es ist der einzige Tourstop der gesamten Worldtour, bei dem der Wind von rechts kommt. Gerade beim Waveriding macht dies einen enormen Unterschied für die Fahrer die größtenteils nur bei Wind von links trainieren. Als Favoritin steht Iballa Moreno in den Startlöchern. Die amtierende Wave-Weltmeisterin und SUP-Worldcupperin ist aktuell die beste Waveriderin der Tour bei Wind von rechts. Auch ihre Zwillingsschwester Daida ist mit von der Partie. Größte Konkurrentin der Moreno-Twins ist Sarah-Quita Offringa. Als eines der größten Talente der Windsurf-Welt hat Sarah-Quita schon dutzende Freestyle- und Slalom-Weltmeistertitel mit nach Hause gebracht. Nur ein Wave-Titel fehlt ihr noch.

PWA Marokko 2018: Lina Erpenstein im Interview
PWA Marokko 2018: Lina Erpenstein im Interview

Für viele andere Waveriderinnen wurde der Worldcup schlicht und ergreifend zu spät bestätigt. So kann zum Beispiel die Fünft-Platzierte Justyna Sniady nicht teilnehmen, weil sie als Polin in so kurzer Zeit nicht an ein Visum kommt. Auch für Deutschlands Steffi Wahl kam die Bestätigung des Events einfach zu kurzfristig. Umso erfreulicher, dass Lina Erpenstein, die letztes Jahr das erste mal das Worldcup-Podium erklomm, Deutschland in Marokko vertritt. Wir haben die 21-jährige Studentin vor dem Start des Events kurz interviewt.

Am Sonntag geht es los, freust du dich schon und bist du auf Wind von rechts vorbereitet?
Lina Erpenstein: Ja, ich freue mich schon sehr! Die Wettkampfsaison an einem neuen Spot, in einem neuen Land zu starten, ist super aufregend. Dazu noch Wind von rechts, das wird sicher für ein paar neue Ergebnisse sorgen. Ich war die letzten drei Wochen in Tarifa und wir hatten hauptsächlich Poniente – also Wind von rechts – und Welle. Ich war viel auf dem Wasser und habe den Wind von der „falschen" Seite kennen und lieben gelernt.

Wie siehst du den neuen Tourspot? Auch wenn du jetzt ein bisschen Training hattest: Eigentlich denkt man als europäischer Surfer doch eher: "Oh Gott! Wind von rechts ist schrecklich!“
Ich finde es super! Ich denke, dass der Wettkampf in völlig neuen Bedingungen auch neue Spannung mit sich bringt. Eine Weltmeisterin sollte in allen Bedingungen gut fahren können und dementsprechend ist es nur logisch Wettkämpfe in allen Bedingungen auszutragen. Ich selbst bin bisher auch viel mehr bei Wind von links gesurft und fühle mich bei Wind von rechts häufig noch weit zurückgeworfen. Nun werden die Karten komplett neu gemischt und es wird interessant zu sehen, wer wo steht.


PWA Marokko 2018: Lina Erpenstein im Interview

Der Worldcup in Marokko wurde erst drei Wochen vor dem Start des Events final bestätigt. Viele Fahrerinnen schaffen es deshalb nicht. Hast du da noch Verständnis? Immerhin hängt davon ein Viertel der Gesamtwertung am Ende des Jahres ab.
Also grundsätzlich ist es super, dass die Tour dieses Jahr aus vier und nicht drei Stops besteht. Mehr Ergebnisse in verschiedenen Bedingungen machen die Gesamtwertung deutlich fairer und spannender. Allerdings hat dieses kurzfristige Zusagen nicht wirklich viel mit Professionalität zu tun. Fast alle der Fahrerinnen sind berufstätig und müssen spontan jegliche Pläne umwerfen und viel Geld ausgeben um überhaupt anreisen zu können. Ich habe zwar keinen Blick hinter die Kulissen der Organisation – die auch sicher nicht einfach war – aber hätte mir dennoch ein bisschen mehr Vorlaufzeit gewünscht. Ursprünglich hatte ich auch vor, schon wieder nach Kiel zu fahren, denn das Sommersemester an der Uni beginnt in dieser Woche. Zum Glück habe ich ein paar meiner Termine umlegen können und werde wohl ein paar Vorlesungen verpassen, aber kann so doch nach Marokko fahren.

Der Worldcup war ja ursprünglich als komplettes Event mit den Herren geplant, letztendlich kam aber nur genug Geld für die Damen zusammen. Glaubst du es ist sinnvoll, dass auch einmal die Damen einen Worldcup alleine bestreiten, also die Herren nicht dabei sind?
Eigentlich bin ich der Meinung, dass überhaupt keine Trennung gemacht werden sollte. Ein Wave-Worldcup ist nur ein Wave-Worldcup mit Männern und Frauen. Dass jetzt doch getrennt wird und dann auch noch nur Frauen starten ist mehr als ungewöhnlich. Trotzdem - das Frauenwindsurfen hat in den letzten Jahren stark an Qualität gewonnen und vielleicht ist es jetzt unsere Chance zu zeigen, was wir können und, dass auch das Frauenwindsurfen sehenswert ist.

Was ist dein Ziel für das Event? Wer glaubst du gewinnt?
Die Karten im gesamten Teilnehmerinnenfeld werden komplett neu gemischt. Ich bin selbst sehr gespannt wie das wird und kann überhaupt nicht einschätzen wie ich stehe. Zudem kann ich mir vorstellen, dass ein paar der Freestylemädels, die viel in Brasilien trainieren und dieses mal teilnehmen das Feld ganz schön aufmischen können. Mein Ziel für das Event ist es zu zeigen, was ich kann und was ich in der letzten Zeit in Tarifa noch habe lernen können.


Fotos: PWA/John Carter




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