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Graham Ezzy – zum Klönschnack in Hamburg - Teil 4


„Und auf der World Tour?“ „Eine zeitlang ziemlich viele, gerade Flo Jung und Alex Mussolini wurden verdammt enge Kumpels. Ansonsten würde ich heute eher sagen, die meisten sind ‚freundliche Kontakte‘.“ Das liege auch daran, dass er nicht mehr viel feiern ginge, will er uns weiß machen. „Da haben wir aber schon andere Dinge gesehen und gehört“, entgegnen wir mit einem Augenzwinkern. Graham schüttelt den Kopf, grinst, schaut von links nach rechts und wiederholt immer wieder „no, no, no“. „Vielleicht ein, zwei Nächte im Jahr“, räumt er schließlich ein, dennoch möchte er sich inzwischen mehr auf den Sport fokussieren.

Um vom Thema abzulenken, kommen wir noch einmal auf Flo Jung zu sprechen. Ob beide sich von den anderen World Cup Profis durch ihre Art unterscheiden, wollen wir wissen. „Vielleicht in gewisser Weise“, bleibt Graham vorsichtig. „Mit Flo kann man immer über etwas reden. Es beeindruckt mich sehr, wie er immer alles tatsächlich macht, was er vorher ankündigt. Der Junge redet nicht nur, er handelt auch. Einmal sagte er zu mir, er möchte einen Film drehen und mit einem Segelboot über den Atlantik fahren. Heute hat er beides bereits erledigt!“ Auch Graham schafft das, was er sich fest vornimmt. So wollte er eigentlich nach dem Abitur ein wenig reisen und das Leben genießen. Doch seine damalige Liebe ging an eine der beliebtesten Unis der Vereinigten Staaten. Keine Chance? Nicht mit Graham. Kurzerhand überzeugte er die Angestellten der Princeton Universität von sich und seinen Fähigkeiten und bekam ebenfalls einen Platz an der Elite-Hochschule. Oder Beispiel Freestyle-Tricks beim Wellenabreiten. Der Mitte Zwanzigjährige gilt als absoluter Vorreiter was Takas, Goiter und all die Waveridemoves angeht.


Graham Ezzy – zum Klönschnack in Hamburg
Graham Ezzy – zum Klönschnack in Hamburg

„Naja, nicht ganz“, unterbricht er unser Schwärmen. „Die Ersten waren John Skye, Levi Siver und Kauli Seadi - falls ich sie noch alle zusammenbekomme. Levi war auch der, der die Tricks konstant und mühelos hinbekam. Was ich anders machte, war, dass ich sie ins Waveriding integrierte.“ Vor Graham machte kaum einer Carving- oder Down-the-Line-Takas. Vielmehr wurde stets ein Move in eine Welle – häufig bei auflandigen Bedingungen – gezimmert. Ezzy schaffte es, diese als Teil des gesamten Abritts zu nutzen. „Was ist der Trick dabei?“, fragen wir. „Das kann ich euch niemals sagen“, lacht Graham. „Der größte Fehler ist wohl, dass die Leute das Segel wie beim Freestyle benutzen. Ich konzentriere mich jedoch voll aufs Board und probiere einen Cutback so hart zu drehen, dass das Brett wieder in die Welle fährt. Das bringt dann auch den Körper gleich in die richtige Position.“


Graham Ezzy – zum Klönschnack in Hamburg

Als der Kellner vorbeigeht, bestellen wir die Rechnung. „Kannst du eigentlich vom Sport leben?“, stellen wir elegant die Überleitung vom Geld her. „Ich würde mich nicht als reichsten Menschen der Welt bezeichnen, aber ich komme gut über die Runden. Es ist nicht so schlecht, wie die Leute immer sagen.“ Weiter verweist er auf Robby Naish, der als Windsurfer einer der reichsten und bestbezahltesten Athleten der Erde ist. „So gut ist es zwar schon lange nicht mehr, aber der Sport hat das Potential.“ Außerdem seien es gerade die vielen, unzähligen und unglaublichen Erfahrungen, die man als Profi zusätzlich und umsonst erhält. Aber wie ist es denn nun, seinen Vater als Sponsor zu haben, wollen wir als letztes wissen. „Es ist gut und schlecht zugleich“, lacht Graham. „Gut ist natürlich die Gewissheit, stets Unterstützung zu bekommen. Ich werde übrigens auch niemals andere Segel fahren!“ Mit quietschenden Tönen schieben wir die Stahlbeine der Bierbänke über den Asphalt vom Tisch weg. Die Straße „Schulterblatt“ ist inzwischen voller Menschen, die zu Songs wie „Dies das Ananas“ und „Unter’m Asphalt der Strand“ wippend mitsingen. Letzterer basiert auf einem Spruch der 68er-Bewegung. Die Temperatur ist trotz Sonnenuntergang immer noch tropisch, hawaiianisch. Graham mag augenscheinlich beides, Asphalt und Sandstrand. Er unterscheidet sich nicht nur auf dem Wasser mit seinem einmaligen Waveriding-Style von den meisten anderen. Nein, gerade durch seine Art, seine breit gefächerten Interessen und sein überlegtes, intelligentes Auftreten ist er eine absolute Bereicherung für die World Tour sowie die gesamte Surfszene.

Text: Fritz Lüders
Fotos: John Carter, Kevin Pritchard, Fish Bowl Diaries



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