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Rekordjagd in Afrika: Gunnar Asmussen und Andy Laufer im Speed-Rausch - Teil 2


Schon beim Start bemerke ich, dass das eine ganz andere Angelegenheit als letztes Jahr ist. Die Böen reißen einem am Start schon fast das Segel aus der Hand, manchmal drückts einen wie eine Schildkröte unters Rigg. Herrlich, genau so muss das sein! Ich springe aufs Board - das Segel zerrt aufgrund des ungewöhnlich aber gewollt tiefen Trimms für den Kanal - an allen Stellen und verwindet sich, als ob es die Arbeit verweigern will. Die kleine Speedfinne hält den Querkräften kaum Stand und lässt das Heck laufend ausbrechen. Jetzt heißt es den Slingshot möglichst hoch anfahren und mit aller Kraft die Querkräfte in der Kurve in „wahnsinnige Geschwindigkeit“ umzuwandeln. Unfassbar, was für eine Beschleunigung, schon am „Gate“ der 501 Meter langen Strecke habe ich 95 km/h auf der Uhr, das sind 15 mehr als letztes Jahr. Jetzt heißt es, den Speed ganze 18-19 Sekunden über die 500 Meter zu bringen. Hierzu wird jeder Muskel im Körper gebraucht, sogar die Gesichtsmuskeln für die dazugehörige Fratze.

Im Ziel angekommen checke ich sofort meine Uhr, ich weiß, dass das der Run schnell war: 50.45kn auf 500m! Direkt im 50 Knoten-Club angekommen und eventuell den Deutschen Rekord gebrochen! Gunnar kommt direkt hinter mir ins Ziel geschossen, auch er ist mit Top Speed unterwegs. Sofort lassen wir uns von den netten Einheimischen auf einem Trailer zurückfahren und stehen 5 Minuten später wieder im Startbereich.


Rekordjagd in Afrika: Gunnar Asmussen und Andy Laufer im Speed-Rausch
Rekordjagd in Afrika: Gunnar Asmussen und Andy Laufer im Speed-Rausch

Dieses Mal konzentriere ich mich noch mehr am Start, gehe nochmal den Run im Kopf durch, den Start, die Kurve, den Slingshot, die schnellste Linie, die 2 Untiefen auf dem Kurs und den Zielbereich. Des Weiteren warte ich auf die passende Böe, das kann durchaus auch mal 5 Minuten dauern, was die nachfolgenden Speeder nicht allzu gerne sehen. Aber, das Warten wird belohnt. So auch bei mir. Ich bemerke die Böe, springe sofort aufs Board und merke schon in der Kurve, dass dieser Run krass wird. Ich fliege förmlich über den Kanal, konzentriere mich auf eine möglichst gerade Linie, spüre wie der Wind mir laufend das Segel aus der Hand reißen will und versuche das Board möglichst plan über das Wasser fliegen zu lassen. Zum Atmen ist in den 18 Sekunden kaum Zeit. Manchmal muss ich das Board wie einen wilden Hengst unter mir mit meinen Füßen bändigen, bei dem Speed sollte man unbedingt einen Schleudersturz oder ähnliches vermeiden. Ich passiere das Ziel und lege mich sofort auf das Segel in die Kurve, um so schnell wie möglich zu entschleunigen. Kurzer Cut Back und Absprung. Der Chopp im Zielbereich ist jetzt schon so hoch, dass das Bremsen zu einer wirklichen Herausforderung wird. Abspringen ist meist Finnen schonender. Sofort erfolgt der Blick auf die Uhr. Ich sehe eine 51.55kn, dachte zuerst das seien die 10 Sekunden. Genauer hingeschaut bemerke ich, dass das die Durchschnittsgeschwindigkeit auf 500 Meter waren! Ich realisiere sofort, dass das für den neuen Deutschen Rekord gereicht hat und jubelte mir den Rachen wund.


Rekordjagd in Afrika: Gunnar Asmussen und Andy Laufer im Speed-Rausch

Als ich beim Aufladen des Trailers für den Rücktransport Richtung Zielauslauf schaue, bemerke ich, dass hinter mir im Wasser etwas explodierte - Gunnar, wer sonst?! Leider beibt er dieses Mal gleich im Wasser und schreit um Hilfe. Ich renne sofort hin und halte sein Material fest. Er kann kaum noch aufstehen. Hexenschuss! Ich helfe ihm auf den Trailer und wir fahren gemeinsam zurück zur Startarea. Speed-Weltmeister Twan Verseput kommt gleich zur Hilfe und behandelt Gunnar direkt mit seinen physiotherapeutischen Handgriffen am Hintern. Sieht voll sexy aus! Ich hole einen Schwung Schmerztabletten und 1 Stunde später steht Gunnar wieder am Start. Allerdings mit verzerrtem Gesicht. Er muss nach weiteren 2 oder 3 Läufen dann leider aufgeben. Was für ein Trip - gleich am ersten Tag den Rekord geknackt!

Mein Rekord wurde abends noch offiziell mit 51.32 kn bestätigt. Am Folgetag hatten wir wieder super Bedingungen. Keine Weltrekordbedingungen, aber ich konnte als einziger wieder die 51 kn Marke knacken. Gunnar ging es auch schon wieder viel besser. Auch er glänzte mit besten Topspeed von über 100 km/h und setzte schon mal ein Ausrufezeichen! Die Vorhersage für die kommende Woche schien etwas schlechter, so dass ich mich entschied, am Samstag den Heimweg anzutreten. Wie sich für mich herausstellte, eine Fehlentscheidung. Denn Gunnar brach meinen Rekord gleich am Dienstag mit 51.79 Knoten.

Herrlich, wir kommen dem Weltrekord immer näher und pushen uns gegenseitig immer mehr. Auch der gegenseitige Austausch von Infos zu Materialtrimm, Fahrstil und sonstigen Geheimnissen hilft uns beiden ungemein. Am 17.11.18 ist wieder Sturm vorhergesagt, mehr denn je. Vielleicht fliege ich nochmal runter, bis zum bis 25.11.18 läuft der Event noch. Es bleibt spannend dieses Jahr!

Fotos: Stefan Csaky, Andy Laufer




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