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Dokumentation: Wintersurf-Experiment

2016-03-23 08:09:55 - Zwei Sportwissenschaftler von der Uni Kiel haben bei extremer Kälte Surf-Experimente durchgeführt. Das ganze haben sie auf Video festgehalten.

Dokumentation: Wintersurf-Experiment

Projektbericht – Köhlen und Seilen
Von Fabian Grundmann und Tobias Jacobsen

1. Idee
Im Rahmen unseres Projektseminars haben wir uns dazu entschlossen, die Thematik Windsurfen im Winter genauer zu beleuchten. Unser anliegen war es die Körpertemperatur im Verlauf einer Windsurfsession unter möglichst extremen Kältebedingungen zu dokumentieren und auszuwerten. Neben der Körpertemperatur interessierte uns auch das subjektive Schmerzempfinden der Windsurfer in Händen und Füßen. Um das ganze möglichst anschaulich präsentieren zu können entschieden wir uns dafür einen Film zu drehen.

2. Umsetzung
Bereits im November fingen wir an Filmmaterial zu sammeln. Beim Surfen wechselten wir uns mit dem Filmen ab und wir vereinbarten Termine für Interviews mit Experten. Die kälteste Session war Anfang Januar in Großenbrode bei minus 18,5°C Windchill. Wir besuchten viele weitere Spots, u.a. Brasilien, Laboe, Heiligenhafen, Dazendorf etc. und sammelten Actionaufnahmen. Die Körpertemperaturmessungen führten wir an ausgewählten Tagen durch. Dazu haben wir mit einem Thermometer die Körpertemperatur im Mund gemessen. Zu erst wollten wir die Körpertemperatur im Ohr messen, dies war auf Grund äußerer Bedingungen jedoch nicht umzusetzen. Das Wasser im Ohr hat die Messergebnisse zu sehr verfälscht. Darüber hinaus musste jeder Teilnehmer zum Zeitpunkt der Messung sein subjektives Schmerzempfinden in Händen und Füßen angeben. Dies wurde mit einer Schmerzskala von 1 (kein Schmerz, angenehm warme Hände) bis 10 (sehr schlimmer Schmerz, Einschränkung der Beweglichkeit) abgefragt. Es gab eine Messung vor dem Windsurfen und dann im abstand von 15 Minuten eine Stunde lang weitere, nachdem Umziehen wurde ein weiteres mal die Körpertemperatur und das Schmerzempfinden erfasst.

3. Herausforderungen
Die größte Herausforderungen waren das Sammeln von geeignetem Filmmaterial, so wie genügend Probanden zu rekrutieren, die an der Messung teilnehmen. Gegen das Wetter haben wir uns mit der Zeit gut organisiert und konnten immer gezielter Ergebnisse sammeln. Der Schnitt des Filmes hat ebenso viel Zeit in Anspruch genommen. Hier haben wir gemerkt, was es heißt einen Film zu erstellen und was gutes Filmequipment, Kamera, Mikrofon etc. ausmacht, um ein akzeptables Ergebnis erlangen zu können.

Dokumentation: Wintersurf-Experiment

4. Ergebnisse
Auf Grund der zum Teil wirklich extremen Wetterbedingungen war es sehr schwierig überhaupt Probanden für unsere Datenerhebung zu finden. Unsere Untersuchungsgruppe bestand aus acht Personen, eine weibliche Windsurferin und sieben männliche. Die Probanden waren zwischen 22 und 32 Jahren alt. Da es nicht möglich war eine ausreichend große Stichprobe an einem Tag zu untersuchen, mussten wir dies auf mehrere Tage verteilen und so schwankten der Windchill zwischen minus 18,5°C und plus 3°C.
Die Ergebnisse der Messungen zeigen, dass während 60 Minuten Windsurfen die Körpertemperatur im Mittel um 1,3°C abfällt, im Einzelfall aber auch deutlich mehr, die Körpertemperatur eines Probanden fiel um 2,7°C. Dies gibt Hinweise darauf, dass die Belastung für den menschlichen Körper enorm ist und bereits erste Unterkühlungssymptome auftreten können.
In unseren Tests waren die Probanden sportlich aktiv und nur kurze Zeit mit dem gesamten Körper im Wasser. Bei längerem und passiven Aufenthalt im Wasser ist mit deutlich schnellerer Auskühlung zu rechnen. Nach dem Surfen stiegen die Körpertemperaturen zum Teil stark an, sodass ein höherer Wert, als vor dem Surfen erreicht wurde. Dies zeigt, dass der Organismus viele Ressourcen bereitstellt, um die Temperatur-Norm wieder herzustellen.
Die subjektiven Angaben der Probanden, die das Schmerzempfinden in den Händen und Füßen darstellen, zeigen, dass vor allem der Kälteschmerz in den Händen extrem sein kann. Auch die Füße kühlen stark aus. Aus den Ergebnissen ist zu deuten, dass die Schmerzempfindlichkeit der Hände jedoch stärker ausgeprägt ist.


Dokumentation: Wintersurf-Experiment

5. Zusammenfassung
Die Messungen lassen erkennen, dass die Körpertemperatur in den ersten 30 Minuten abfällt und der Körper sich danach auf die Bedingungen einstellt und die Körpertemperatur langsam wieder ansteigt. Das Schmerzempfinden in Händen und Füßen steigt mit der Zeit immer weiter an und sinkt erst nach beenden der Windsurfsession wieder ab. Gerade das Schmerzempfinden in den Hände ist deutlich höher als in den Füßen, was jedoch wohl damit zusammenhängt das die Neoprenschuhe geschlossen sind und nur wenig Wasser eintritt. Bei den Neoprenhandschuhen war es hingegen so, dass diese nicht komplett geschlossen waren, und die Hände dem kalten Wasser direkt ausgesetzt waren. Besonders interessant ist, dass sich die Ergebnisse bei ca. 4°C (Windchill 3°C) und minus 10°C (Windchill minus 18,5°C) Lufttemperatur kaum unterscheiden. Der wichtigste Faktor hierbei scheint die gefühlte Temperatur, der sogenannte Windchill, zu sein und die tatsächliche Aktivität des Sportlers während des Windsurfens.









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